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Paul Badura-Skoda

 

Kulturspitzen 2010, 2011, 2012, 2015

 

Paul Badura-Skoda ist einer der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit, ein legendärer Künstler, der seit sechs Jahrzehnten in den Konzertsälen der ganzen Welt zu hören ist und lange Jahre der Pianist mit der größten Anzahl von Platteneinspielungen war. Man feiert ihn in allen großen Konzertsälen der Welt, in New Yorks Carnegie-Hall ebenso wie in Wiens Musikvereins-Saal. Ausgedehnte Tourneen führen ihn durch alle Kontinente, zu den angesehensten Orchestern und in die Aufnahmestudios bedeutender Schallplattenfirmen.

 

Paul Badura-Skoda wurde 1927 in Wien geboren, seine außergewöhnliche musikalische Begabung zeigte sich früh und wurde sogleich auch entsprechend gefördert. Aber es waren auch die überwältigenden Konzerterlebnisse bei Auftritten Edwin Fischers, Clemens Krauss´ und Wilhelm Furtwänglers während der Kriegsjahre, die Badura-Skoda in seinem Entschluss bestärkten, Musiker werden zu wollen. Nicht nur denkwürdige interpretatorische Leistungen waren diese Konzerte für den jungen Künstler, sondern auch Zeugnisse für die humane Kraft der Musik - ein Aspekt, den der Pianist heute immer wieder hervorhebt.

 

Im Jahre 1945 trat Badura-Skoda in das Konservatorium der Stadt Wien ein. Nur zwei Jahre später erregte er schon großes Aufsehen: Er gewann den 1. Preis im Österreichischen Musikwettbewerb. Ein Stipendium für Edwin Fischers Luzerner Meisterkurse war der Lohn und gleichzeitig der Ausgangspunkt einer für Badura-Skoda wegweisenden Künstlerbeziehung. Der junge Pianist wurde Fischers Assistent und führte nach dessen Tod die Tradition seiner Meisterkurse in Wien, Salzburg und Edinburgh fort. Auch heute noch liegt Badura-Skoda der künstlerische Nachwuchs am Herzen. Immer wieder unterzieht er sich mit Ausdauer und Engagement der zeit- und kraftraubenden Tätigkeit als Juror bedeutender Klavierwettbewerbe. Und wer einmal erlebt hat, wie der Künstler in seinem weichen Wiener Tonfall voller Wärme und anschaulicher Plastizität über die Musik zu sprechen versteht, der wird dies kaum je vergessen.

 

1949 bereits wurden Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan auf die eminente Begabung Badura-Skodas aufmerksam. Sie luden ihn zu Konzerten ein, und praktisch über Nacht wurde der Wiener Pianist so zu einem weltberühmten Künstler. Die Veranstalter rissen sich um ihn. Bei den Salzburger Festspielen gelang ihm ein spektakuläres Debut, bei seinem ersten Klavierabend in New York im Jahre 1953 betrat er einen ausverkauften Saal - das war vor ihm noch kaum jemandem gelungen. Ein Sensationserfolg, der sich bald darauf, bei seinem Tokyo-Debut, wiederholen sollte.

 

Seitdem war Badura-Skoda gefeierter Stammgast der wichtigsten Musikfestivals der Welt. Die Dirigenten Karl Böhm, Josef Krips, Lorin Maazel, Sir Charles Mackeras Kent Nagano, Seiji Ozawa,  John Elliot Gardiner und Sir Georg Solti waren einige seiner berühmten Partner. Und auch die Schallplattenfirmen wollten bei dem Run auf den Pianisten nicht hintanstehen: Bis heute ist sein Schallplatten-Opus auf über zweihundert Einspielungen angewachsen, darunter die kompletten Zyklen der Klaviersonaten von Mozart, Beethoven und Schubert, sowohl auf historischen wie auch auf modernen Flügeln.

 

Im Beethoven-Jahr 1970 nahm er alle Beethovensonaten auf L.P. auf. Zyklische Aufführungen in Mexiko, Chicago, Paris, Wien, London und Barcelona folgten. Im Mozartjahr 1991 spielte er den Zyklus aller Sonaten in den wichtigsten musikalischen Weltzentren. Zu allen Zeiten, nicht nur im Schubertjahr 1997, ergriff und ergreift Badura-Skoda seine Zuhörer durch sein Schubertspiel.

 

Auf das Repertoire der Wiener Klassik lässt sich der Künstler aber nicht gerne festlegen. In der Tat ist das Repertoire Badura-Skodas ungemein weit gespannt, reicht von Bach bis zu Berg, Bartók und Frank Martin.

 

Eines ist Badura-Skoda von seinem ursprünglichen Berufstraum, Ingenieur zu werden, noch geblieben: Der Wunsch, das Klavier und andere Instrumente als perfekte Maschinen à la Leonardo da Vinci zu verstehen und die innere Struktur der musikalischen Werke zu erkennen. Er war ein Pionier in der Wiederbelebung historischer Tasteninstrumente. Sein nahezu fanatisches Streben, die wahren Intentionen der Komponisten zu erkennen, führte zu einem intensiven Quellenstudium der verfügbaren Autographe und Originalausgaben. Zum Musizieren kommt das Nachdenken über die Musik. So entstanden zahlreiche Kadenzen zu Mozart-Konzerten und auch stilistisch einfühlsame Ergänzungen unvollendeter Werke Mozarts und Schuberts. Er verfasst Musikbücher, er komponiert und dirigiert.

 

Ein leidenschaftliches Ringen um das Wesentliche und künstlerisches Verantwortungsgefühl, sei es am Klavier oder am Dirigierpult - das kennzeichnet die Musikerpersönlichkeit Badura-Skodas. Und dies nicht in einem technischen, akademischen Sinne: "Paul Badura-Skoda lässt uns etwas spüren, das bei Berufsmusikern selten ist: Dass er die Musik mit jeder Faser seines Wesens liebt" - so brachte es ein Kritiker auf den Punkt.

 

1976 wurde Paul Badura-Skoda das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen und 1978 erhielt er den Bösendorfer-Ring, welchen vor ihm nur Wilhelm Backhaus trug. 1988 erhielt er die Goldmedaille der Stadt Wien. 1993 wurde der Künstler zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und 1997 zum „Commandeur des Arts et des Lettres". Anlässlich seines 80. Geburtstages zeichnete ihn die Republik Österreich mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und die Stadt Wien mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien aus. Der Carinthische Sommer verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft.

Die Universität Mannheim sowie die Musikakademie  Krakau und die Universidad Católica del Perú ehrten ihn mit dem Titel Doctor Honoris Causa.

 

Am 6.Oktober 2012 feierte der Künstler, der nach wie vor weltweit aktiv ist,

seinen 85. Geburtstag mit einem umjubelten Klavierabend in Peking., kurz vor seinem 87.Geburtstag  spielte er in Australien.

 

Erstauftreten in den Kulturspitzen Aflenz im Mai 2010